Ende letzten Jahres haben wir von den Künstlern Piola und Furkam & Jelbrim eine Anfrage für eine gemeinsame Produktion ihres geplanten Musikvideos erhalten. Der Song mit dem Titel „In Time“, um den es in dem Musikvideo geht, handelt von der verrückten Gefühlswelt der Sängerin Piola.

Sie führt einen Kampf gegen ihre Gefühlswelt. Ihre eigenen Gefühle – versucht sie zu verstecken, zu verstehen, loszuwerden, wird aber immer wieder davon eingeholt. In einer parallel erzählten Handlung kommt sie einem magischen Lichtball immer näher. Das Licht gibt ihr die Kraft den Gefühlen Stand zu halten. Schlussendlich verfallen ihre Gefühle sprichwörtlich zu „Staub“! Und sie fühlt sich endlich befreit.

Der Song zielt darauf ab zu zeigen, welche Gefühle einen im Leben begleiten können. Es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen und zu verstehen, dass sie zum Leben dazu gehören in Form von Höhen und Tiefen. Dabei ist es so wichtig Friede mit sich selbst zu schließen um negative Gefühle zu überwinden.

Konzeption und Vorproduktion

Nun galt es diesen Inhalt visuell umzusetzen. Ein Storyboard und eine ausgearbeitetes Animatics – eine Art „Vorab-Schnitt“ eines Filmes – sollten uns dabei helfen, den Dreh besser zu planen. So konnte unsere Vorproduktion den Aufwand für die geplanten Szenen schnell einschätzen und sie präzise planen. Es entstand ein knackiger Drehzeitplan. Alle Szenen sollten an nur einem Tag gedreht werden.

Die Drehlocation stand auch schon recht früh fest. Piola, die im echten Leben übrigens Ronja heißt, hatte die Idee am Brombachsee in Bayern zu drehen. Gesagt getan. Es wurde eine Drehgenehmigung organisiert und so standen uns an diesem Tag Wasser, Strand und Wald gleichzeitig zur Verfügung.

Abenteuerlicher Drehtag

Früh am Morgen sind wir bereits mit 2 Produktionsbussen, voll mit der gesamten Crew, Schauspielern, Statisten und unserem Equipment zum Brombachsee gereist. Trotz der frühen Morgenstunden war von Müdigkeit keine Spur. Es schien so, als hätten alle große Vorfreude und das bisschen Aufregung unserer Darsteller spielte sicher auch eine Rolle.

Musikvideo zu „In Time“

Die Schwierigkeit bei Dreharbeiten in der Natur sind meist Phänomene, die von Menschen nicht beeinflussbar sind. So schenkte uns die Sonne für einen Wintertag zwar zeitlich gesehen nur kurz Licht, jedoch dauerhaft von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Was trotz viel Sonnenlicht aber blieb waren eiskalte Winde. Zeitweise verschaffte uns die Kälte aber mehr Antrieb als gedacht. Es wollte eben keiner frieren. Deshalb versuchten wir in Bewegung zu bleiben und daher wenig Pausen einzulegen und uns kurz mit heißem Tee und Decken wieder aufzuwärmen. Doch am Ende siegte das Wetter und wir mussten aufgrund des kalten Windes und der zunehmend schwächer werdenden Sonnenwärme abbrechen. Das Ergebnis hätte sonst zu sehr drunter leiden müssen und das war es nicht wert.

Jetzt mussten wir uns eine Alternative Drehlocation für die verbleibenden Szenen überlegen, denn nochmal nach Bayern zu fahren war keine Option.

Musikvideo zu „In Time“

Die zweite Drehlocation war eine alte, leerstehende Lagerhalle, die sich als ohnehin bessere Kulisse für unsere „Parallelwelt“ im Musikvideo eignete. Der Nachdreh lief wie am Schnürchen. Mit einer verbleibenden Schauspielerin und einem eingespielten Produktionsteam konnten wir auch den Rest der Szenen aus dem Drehbuch abdrehen.

Postproduktion

Das Material konnte nun in der Postproduktion bearbeitet werden.

Es wurde geschnibbelt was das Zeug hält. An dieser Stelle bewährte sich das animierte Storyboard, weil die Vorstellung des Zusammenschnittes vorher schon getroffen werden konnte. Die Details sind im Beisein von Ronja schnell herausgearbeitet, sodass die finale Schnittfassung schnell erreicht war.

Eine weitere Herausforderung war die Erstellung der vielen visuellen Effekte im Video. So wurde der magische Lichtball, mit welchem die Sängerin in der Handlung interagiert, in einer Compositing-Software erstellt und in das gedrehte Bildmaterial eingefügt. Hierfür war wichtig, schon beim Dreh das von der Lichtkugel ausgehende Licht mit einem hellen Filmlicht zu simulieren.

Auch am Ende des Musikvideos haben wir mit einem visuellen Effekt gearbeitet. Wir hatten nämlich die Idee die Gefühle zu Staub zerfallen zu lassen. Die Inspiration bekamen wir durch den Blockbuster Avengers: Infinity War.

Nachdem nun der Schnitt und das VFX fertig war, konnte sich unser Colorist im letzten Zug dem sogenannten Color Grading widmen. Im Color Grading sind zunächst alle Bilder in Kontrast, Schwarz- & Weißpunkt, Farbsättigung und Farbtemperatur korrigiert worden. In einem weiteren Schritt werden alle Bilder, welche zur selben Szene gehören, aneinander angeglichen. Für den kreativen Teil des Color Gradings wurden Piola und Furkam & Jelbrim eingeladen, um gemeinsam ein Farbkonzept zu erarbeiten. So war der Konsens den Film anfangs eher dunkel und gegen Ende, wenn Piola dem Lichtball näherkommt, etwas heller zu gestalten. Zudem sollten die jeweiligen Gefühle einen individuellen Farb-Look erhalten. Die Ergebnisse sind im fertigen Musikvideo zu sehen.
Viel Spaß damit!

Eure
W&W’s

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